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Weiterhin - PSA-Screening auf Prostatakarzinom ohne nachgewiesenen Nutzen:

Die Nutzenbelege für ein systematisches PSA-Screening auf Prostatakarzinom sind auf der Basis der im vergangenen Jahr veröffentlichten Zwischenergebnisse zweier großer randomisierter Screeningstudien aus Europa und den USA dürftig (a-t 2009; 40: 33-4). Als einziger positiver Effekt wird in der europäischen ERSPC*-Studie eine signifikante Senkung der Sterblichkeit aufgrund eines Prostatakarzinoms errechnet (Relatives Risiko [RR] 0,80; 95% Konfidenzintervall [CI] 0,65-0,98). Ein Einfluss auf die Gesamtsterblichkeit ist bislang in keiner Studie beschrieben. Nun werden in einer Metaanalyse die Daten von sechs randomisierten Studien zum Prostatakrebsscreening mit mehr als 387.000 Männern und medianen Beobachtungszeiten von 4 bis 15 Jahren gemeinsam ausgewertet, darunter auch die beiden 2009 veröffentlichten Arbeiten.

In allen Studien wird dabei der PSA-Test verwendet, in drei Arbeiten zusätzlich digital untersucht. Wie zu erwarten, führt Screening bei den regelmäßig untersuchten Männern zu häufigerer Diagnose eines Prostatakarzinoms (RR 1,5; 95% CI 1,21-1,77). Insbesondere frühe Stadien werden erkannt (RR 1,95). Dies schlägt sich jedoch nicht in einer Senkung der Gesamtsterblichkeit nieder (RR 0,99; 95% CI 0,97-1,01). Auch die Sterblichkeit an Prostatakarzinom wird durch Screening nicht signifikant beeinflusst (RR 0,8; 95% CI 0,71-1,09). Bemerkenswert ist, dass in der ERSPC-Studie nun nach längerer Beobachtung eines Teils der Probanden anders als in der Veröffentlichung 2009 ein signifkanter Vorteil hinsichtlich der Prostatakarzinomsterblichkeit nicht mehr nachweisbar ist (RR 0,84; 95% CI 0,7-1,01; DJULBEGOVIC, M. et al.: BMJ 2010; 341: c4543).

Dem ungesicherten Nutzen steht ein schwer quantifizierbarer Schaden (unnötige invasive Diagnostik bei falsch positiven Befunden, unnötige Therapie aufgrund von Überdiagnosen und damit verbundene Komplikationen wie Impotenz und Inkontinenz sowie Ängste und Sorgen) gegenüber.